Edofulio.ch – eine Welt ohne Noten

Da Noten Schnee von gestern sind, entwickelte ich zusammen mit Olivier Chanson und Hüseyin Çay die Idee, dass Schüler:innen ihre Interessen und Fähigkeiten im Rahmen eins eigenen digitalen Portfolios präsentieren sollen, egal ob sie sich für eine Lehre, ein Studium oder ein Aupairjahr interessieren.

Mit “Edufolio.ch” möchten wir die Brücke zwischen Schüler:innen und ihrem Ausbildungsplatz bauen, welcher mit dem Lehrplan 21 kompatibel ist.

Prototyp & Klickdummy von Edufolio.ch

Mit unserem Klickdummy von Edufolio.ch, welchen wir in Adobe XD erstellt haben, bauten wir einen Prototyp, der, vor der Programmierung des Projektes, schon eine interaktive Möglichkeit gibt, sich durch die Applikation zu navigieren.

Einige Artboards des Klickdummies

Wieso Edufolio.ch?

Mit dem Lehrplan 21 werden Noten abgeschafft. Die einzige Schnittstelle, bei dem es zu einem Kommunikationsproblem betreffend der Leistungen der Schüler kommen könnte, ist der Übergang von der Sekundarschule in weiterführende Bildungsinstitute. Wie können Schüler ihre Leistungen und Fähigkeiten verständlich an Studiengangsleiter:innen, Lehrmeister:innen etc. kommunizieren? Auch für
Ausbilder:innen an Unis, Fachhochschulen, Lehrbetrieben etc. ist es schwierig geeignete Kandidat:innen für ihre Lehrplätze zu finden.

Nutzunsszenarien

Wir haben drei Nutzungssezanrien ausgearbeitet, die eines Schülers, einer Lehrerin und eines Lehrmeisters, welche alle Edufolio.ch nutzen.

Nutzungsszenario für einen Schüler

Luc ist mitten im Abgabestress für sein finales Bewerbungsportfolio. Das letzte und grösste Schulprojekt “Pimp up my Car”, welches ins Portfolio soll, hat länger gebraucht als gedacht. Seine Idee war es, das Auto seines Vaters, einen alten Skoda Octavia, zu tunen. Dafür verwendete er das Wissen, welches er in der Schule gelernt hat. Beim letzten Projekt “Make a Drone fly” ist es, wie bei den vorherigen Projekten, Pflicht den Prozess ausführlich multimedial zu dokumentieren und zu kommentieren. Gerade letzte Woche wurde Luc von seiner Lehrerin mündlich, sowie über die Plattform “Edufolio.ch” auf zahlreiche Grammatikfehler in seiner Dokumentation aufmerksam gemacht. Er musste diese Fehler verbessern und zum zweiten Mal zur Genehmigung in der Webapp “Edufolio.ch” einreichen. Erst danach konnte das Projekt von seiner Klassenlehrerin genehmigt werden. Anschliessend landet das Projekt in einem Projekt-Pool mit anderen Projekten, die darauf warten von einer zweiten Lehrperson korrigiert und genehmigt zu werden. Im Projekt über die Drohnen werden folgende Fächer abgedeckt: “Englisch” und “Gestalten: Bildnerisches Gestalten / Textiles und Technisches Gestalten”. Persönlich ist Luc mässig begeistert von der neuen Plattform Edufolio.ch: „Naja es isch hald Schuel und mer mues es mache. Gwüssi Projekt hend aber scho chli Spass gmacht und mich wiiterbracht.“ Im Frühlingssemester des 9. Schuljahres, hat es Luc Meier sogar unter die Top Ten der Schweizer Schülerprojekte der Oberstufe geschafft. Sein Thema: Der Umbau seines Töfflis in ein Elektrofahrzeug. Gewonnen hat er dabei 1’000 Franken. Diese Preisverleihung der 10 besten Projekte findet einmal am Ende jedes Semesters statt, für alle welche sich in der Oberstufe befinden. Es werden von allen Projekten schweizweit genau zehn gekürt, auch die Mitglieder von Gruppen-Projekten erhalten je 1’000 Franken Preisgeld. Nur prämierte Projekte sind öffentlich auf “Edufolio.ch” für nicht registrierte Websitebesucher ersichtlich. Sein Traum ist es Automechatroniker zu werden. Deshalb hat er, während der Oberstufe, an Fahrzeugen rumgeschraubt. Dank des Lehrplan 21 und “Edufolio.ch” konnte er sich dies als reguläres Schulprojekt anrechnen lassen. Für sein finales Bewerbungsportfolio hat Luc 5 Projekte ausgewählt, die er während der Oberstufe gemacht und auf “Edufolio.ch” hochgeladen hat. Dabei hat er berücksichtigt, dass die Projekte in das Arbeitsfeld des Automechatronikers passen. Die Projekte, sein Bewerbungsschreiben, den Lebenslauf und das Bewerbungsfoto hat er für sein Onlineportfolio auf “Edufolio.ch” bereitstellen können. Alle seine bewerbungsrelevanten Unterlagen konnte er via “Edufolio.ch” als Link in einem Email an Ausbildungsstätten senden. Erst letzte Woche hat Luc sich bei Auto AG beworben und Franz Müller, dem Lehrlingsverantwortlicher, ein Link zu seinem Portfolio auf “Edufolio.ch” geschickt.

Nutzungsszenario für eine Klassenlehrerin

Zeit: Januar 2021 während finalen Projekt- und Portfolio-Abgaben ihrer Schüler

Mercedes Liebeskind betreut Lucs Klasse schon seit zweieinhalb Jahren. „Jetzt habe ich noch zwei Wochen bis zum Semesterende und muss nur noch drei Schülerprojekte für “Edufolio.ch” coachen. Alle anderen Schüler der Klasse von Mercedes haben schon ein fertiges Bewerbungsportfolio, aus ihren genehmigten Projekten, erstellt. Sie ist erleichtert, dass Lucs Portfolio und die der anderen Schüler von ihrem Arbeitskollegen letztendlich genehmigt wurden. Sie ist stolz auf Luc Meier, denn er hat eine enorme Entwicklung hinter sich. Heute kann er gut kommunizieren. Er macht nicht nur interessante Projekte, in Einzel- und Gruppenarbeit, sondern kann seine Arbeit multimedial gut umsetzen und vermarkten. Luc weiss heute was er will, unter anderem durch seine Projektarbeiten. Somit kann sie nächsten Sommer beruhigt die Schule wechseln, denn alle ihre Schützlinge wissen schon wohin sie ihr Portfolio bringen soll. Ob an eine Lehrstelle, ans Kurzgymi, in den Sprachaufenthalt als Au-Pair, oder ins Austauschjahr. Mercedes konnte beobachten wie die Gruppen- und Einzelprojekte ihre Schüler neugieriger gemacht hat. So befassten sich manche Schüler plötzlich freiwillig mit Chemie (Fach: Natur und Technik), um Salzkristalle herzustellen. Die Aufgabe von Mercedes bestand darin die Schüler während der Projektarbeit zu betreuen und als eine von zwei “Approvern” auch zu kontrollieren und zu kritisieren. Nachdem sie die Projekte ihrer Schüler genehmigt hat, gelangen diese in einen Pool, so dass ein zweiter Lehrer diese auf “Edufolio.ch” kritisieren und zum Verbessern / zurückweisen / genehmigen kann. Danach ist das Projekt für den Schüler abgeschlossen. Mercedes findet es sehr schön, dass der andere Lehrer, welcher für das Approval der Projekte ihrer Klasse zuständig ist, einen besseren Einblick und ein besseres Verständnis für die Arbeit ihrer Schüler und ihrer selbst hat. Sie ist im Gegenzug zuständig für das Genehmigen von Projekten eines anderen Lehrerkollegen und ist jetzt besser in die Arbeitsweise des Kollegen eingebunden. Dadurch wird gewährleistet, dass die Schüler möglichst objektiv bewertet werden und nicht nur von der eigenen Klassenlehrerin, die unter Umständen auch ihre Lieblingsschüler bevorzugen könnte. Bei der Portfolio-Kritik wird im Kommentarmodus jeder Fehler/Kritik mit roter Farbe angezeigt. Bei der Durchsicht des Portfolios muss am Schluss ein kritisches Feedback und mindestens zwei positive Feedbacks schriftlich von der Lehrperson formuliert werden. So können die Schüler nach Erhalt der Kritik ihre Arbeit entsprechend verbessern und müssen ihren Lernprozess reflektieren. Erst wenn alle Kritikpunkte erledigt sind, wird das Projekt von den zuständigen Lehrpersonen genehmigt / für das Bewerbungsportfolio freigegeben. Dies dient der Qualitätssicherung.

Nutzungsszenario für einen Lehrmeister

Franz Müller fängt nach Neujahr seinen ersten Arbeitstag an und geht an seinen Computer. Er ist seit mehreren Jahren für die Ausbildung der Lehrlinge, bei der Auto AG, als Lehrmeister zuständig. Jetzt sieht er, dass in seinem E-Mail-Postfach eine Benachrichtigung von “Edufolio.ch” eingegangen ist. Bei der Nachricht handelt es sich um eine Bewerbungsanfrage für die ausgeschriebene Lehrstelle als Automechatroniker. Beworben hat sich ein Schüler namens Luc Meier. Mit einem Link gelangt Franz auf das Bewerbungsportfolio von ihm, wo er einen Überblick über seine Skills erhält. Auf den ersten Blick sieht das Portfolio sehr ansprechend aus. Diese schweizerische Onlineplattform mit Projekten und Bewerbungsportfolios, wurde vor kurzem im Lehrmeister-Weiterbildungskurs eingeführt. Aus diesem Grund ist die digitale Plattform noch Neuland für ihn. Die Website ist sehr simpel aufgebaut und ermöglicht es Franz rasch, im Onlineportfolio von Luc auf seine Projekte und deren Beschreibungen zu gelangen. Er kann sich ein Bild von Luc und seinen
Fähigkeiten machen, und weiss somit, ob er ein geeigneter Kandidat für die Ausbildungsstelle als Automechatroniker ist. Auf der Plattform “Edufolio.ch” kann er direkt Datumsvorschläge für ein Vorstellungsgespräch und allfällige Schnupperlehren machen, oder die Bewerbung ablehnen. Eines der Projekte hat Franz sehr angesprochen, nämlich wie der Schüler in einer Videodokumentation sein eigenes elektronisches Töffli zusammenbaut. Die
Darstellung dieses Projektes und der Beschrieb zeigen, dass Luc das Potenzial für einen guten Automechatroniker besitzt. Nachdem sich Franz das Video angeschaut hat, ruft er Luc Meier an und macht ihm einen Terminvorschlag für ein Bewerbungsgespräch. Anschliessend schickt er Luc den Vorschlag via “Edufolio.ch”.
… vier Wochen später nach der Schnupperlehre …
Luc Meier kommt für die Lehrstelle in Frage. Franz Müller kann den Lehrvertrag direkt über die Plattform “Edufolio.ch” aufsetzen und dem Erziehungsberechtigten und Luc zur Unterschrift senden. Sobald der Vertragsabschluss gemacht ist, kann man den Lehrvertrag von “Edufolio.ch” aus direkt dem Lehrlingsamt zur Genehmigung senden. Somit haben alle Vertragsparteien eine gute Übersicht über alle Dokumente und Informationen. Lucs Eltern, Luc und Franz können jederzeit auf relevante Dokumente der Lehrstelle zugreifen. Nachdem der Vertrag abgeschlossen worden ist, wird die ausgeschriebene Ausbildungsstelle, welche Luc vergeben wurde, bei “Edufolio.ch” auf “Stelle besetzt“ gesetzt. So wird ersichtlich, dass man sich nicht mehr für die Stelle bewerben kann.

Projektdokumentation